Burgergemeinde Zermatt

Identität & Geschichte

Die Burgergemeinde Zermatt ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft nach kantonalem Recht. Erfahren Sie hier mehr über unsere Identität und Geschichte.

UNSERE IDENTITÄT

Sie vereinigt die alteingesessenen Familien von Zermatt und zählt rund 1 500 Burger. Die übrigen Dorfbewohner von Zermatt bilden zusammen mit den Burgern die Einwohnergemeinde Zermatt, die seit der Trennung der beiden Gemeinden im Jahr 1969 mit getrennter Verwaltung neben der Burgergemeinde Zermatt besteht.

Die Burgergemeinde wird von einem Burgerrat mit sieben Mitgliedern verwaltet, welchem ein Präsident vorsteht. Der Burgerrat und der Burgerpräsident werden alle vier Jahre von den Burgern gewählt. Die Burgergemeinde verwaltet ihr Vermögen, indem sie die Burgergüter unterhält und bewirtschaftet. Sie fördert und unterstützt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Werke allgemeinen Interesses. Im Rahmen der Gesetzgebung verleiht sie das Burgerrecht und das Ehrenburgerrecht. Das Burgerrecht wird auf Gesuch des Bewerbers hin und auf Antrag des Burgerrates von der Burgerversammlung erteilt.

Die Burgergemeinde entrichtet an andere öffentliche Körperschaften (Einwohnergemeinde, Kanton, Bund) jene Geldleistungen, die in der Steuergesetzgebung vorgesehen sind. Einzig für Vermögensbestandteile und Einkommen, welche öffentlichen und kulturellen Zwecken dienen, ist sie von der Steuerpflicht befreit. Die Burgergemeinde selbst ist nicht berechtigt, von den Burgern Steuern zu erheben.

Das Burgerreglement der Burgergemeinde Zermatt sieht zugunsten der Burger einen Burgernutzen vor. Burgernutzen darf nur aus gemeinnützigen Erwägungen und sozialen Gründen und nur soweit es die finanzielle Situation der Burgergemeinde erlaubt, ausbezahlt werden. Der Burgernutzen kann als Naturalnutzen (z.B. Bau- und Brennholz) oder Barnutzen ausgeschüttet werden. Einen Anspruch auf Barnutzen haben ausschliesslich die in der Gemeinde ansässigen Burger.
Blick auf Matterhorn

UNSERE GESCHICHTE

Die Geschichte der Burgergemeinde Zermatt beginnt am Vorweihnachtstag des Jahres 1618, als es den letzten Untertanen gelang, sich von den bischöflichen Lehensherren loszukaufen. Damals war Zermatt noch eine Streusiedlung, bestehend aus kleinen Weilern, „Viertel" genannt.

Im Jahre 1621 erklärten die Bewohner der Viertel Hoffero (39 Familien), Wychelmattero (43 Familien) und Muttero (54 Familien) ihr Wohngebiet zur geschlossenen Ortschaft und gaben sich eine eigene Verfassung. 170 Jahre später entschlossen sich die Bewohner des Viertels Aroleytero (46 Familien) dem Bund ebenfalls beizutreten und es kam zur Gründung der Burgergemeinde Zermatt, der nun alle Bewohner der Talschaft angehörten.

Die Vertreter der Viertel erklärten Berge, Alpen und Weiden (Allmeien) sowie die Wälder samt den jagdbaren Tieren zum gemeinsamen, unverteilbaren Gemeingut, das jeder Anteilhaber nach dem bisherigen Gebrauche und Ordnung benutzen könne.
Am Ende des 19. Jahrhunderts war aus dem abgeschiedenen kleinen Bergdorf Zermatt ein aufstrebender Sommerkurort geworden. Im Jahr 1864 erwarb die Burgergemeinde Zermatt ihr erstes Hotel. Sie kaufte das zehn Jahre zuvor von drei Zermatter Pfarrherren erbaute Hotel Riffelberg, das 18 Gäste beherbergen konnte.

In den Jahren 1876 – 1879 baute die Burgergemeinde das Grand Hotel Zermatterhof – mit 94 Zimmern und 150 Betten das damals grösste Hotel im Dorf. Um der Gemeinschaft keine übermässige Schuldenlast aufzubürden, mussten sich die Zermatter Burger verpflichten, beim Hotelbau Fronarbeit zu leisten. Als Gegenleistung für ihre gemeinnützige Arbeit wurde das Recht der Nutzniessung verankert. Noch heute haben die Burger die Möglichkeit an der Rendite aus dem Burgerbesitz zu partizipieren. Wenn es der Jahresabschluss erlaubt, kann eine Dividende – der so genannte Burgernutzen – ausbezahlt werden.

Mit der weiteren Entwicklung des Tourismus und dem Aufkommen des Wintersports wurden die Burgerbetriebe immer zahlreicher. Mittlerweile besitzt und betreibt die Burgerschaft verschiedene Hotels, Gruppenunterkünfte, bediente Restaurants, Selbstbedienungsrestaurants, (Schnee)-Bars und Souvenirgeschäfte:. Daneben vermietet sie zwei Personalhäuser und diverse Geschäftslokalitäten im Dorf und im Berggebiet von Zermatt.

Gemäss Beschlussfassung der Burgerversammlung vom Dezember 2018 sind die Hotels & Gaststätten der Burgergemeinde Zermatt an die Matterhorn AG, eine 100% Tochtergesellschaft der Burgergemeinde Zermatt vermietet. Heute ist die Matterhorn Group AG einer der grössten Arbeitgeber in Zermatt und beschäftigt im Winter über 300 Mitarbeitende aus 30 Nationen.

Die Burgergemeinde leistete ebenfalls Pionierarbeit bei der Erschliessung der Zermatter Skigebiete mit Liften und Bahnen. Sie war Aktionärin der verschiedenen Transportbahnen und verfügte über die Aktienmehrheit der Matterhornbahnen AG. Seit der Fusion der Bergbahnen im Jahr 2001 ist die Burgergemeinde Zermatt grösste Aktionärin der neuen Zermatt Bergbahnen AG.

Die Burgergemeinde erwarb sich nicht nur grosse Verdienste im Hinblick auf die Förderung des Tourismus, sie hatte ebenfalls grossen Anteil am Aufbau der Infrastruktur des Dorfes. Sie war die treibende Kraft beim Bau des Elektrizitätswerkes im Jahr 1894 – dem ersten Kraftwerk im Wallis -, sowie bei der Installation der öffentlichen Wasserversorgung und Kanalisation im Jahr 1900.

Im Besitze der Burgerschaft ist nach wie vor der gesamte kultivierbare Boden, der nicht im Privatbesitz ist (Bäche, Wiesen, Alpen) sowie rund 1'000 Hektaren Wald.

DIE PRÄSIDENTEN DER BURGERGEMEINDE ZERMATT


  • 1844 Aufdenblatten Stephan

  • 1852 Welschen Josef

  • 1857 Biner Josef Anton

  • 1859 Biner Stephan

  • 1863 Welschen Josef

  • 1867 Biner Stephan

  • 1869 Ruden Moritz

  • 1875 Perren Josef

  • 1879 Perren Peter Ludwig

  • 1881 Lauber Josef, Balzen

  • 1883 Lauber Josef, Kastlan

  • 1885 Zumtaugwald Alfons

  • 1891 Biner Josef, Sigrist

  • 1893 Perren Josef

  • 1895 Perren Peter Ludwig

  • 1897 Biner Josef Severin

  • 1899 Julen Hieronymus

  • 1903 Lauber Heinrich

  • 1913 Julen Hieronymus

  • 1917 Kronig Stanislaus

  • 1925 Aufdenblatten Josef Senior

  • 1945 Julen Othmar

  • 1957 Dr. Biner Th.

  • 1961 Aufdenblatten Josef Junior

  • 1969 Julen Othmar

  • 1985 Aufdenblatten Erwin

  • 2001 Biner Andreas

Zermatt

UNSERE LEITSÄTZE

Die Burgergemeinde Zermatt nimmt im Bewusstsein ihrer historischen und aktuellen Bedeutung ihre Verantwortung gegenüber Zermatt wahr.
Die Burgergemeinde leistet einen wichtigen Beitrag an die touristische, soziale und kulturelle Entwicklung von Zermatt.

Die Burgergemeinde Zermatt ist sich der Bedeutung der Burger bewusst und bringt ihnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegen.
Bei ihrer Tätigkeit behandelt die Burgergemeinde alle Burger gleich. Sie informiert die Burger offen, zeitgerecht und transparent. Bei politischen Fragen und Entwicklungen, welche eine Mehrheit der Burger als Einzelpersonen betreffen, engagiert sich die Burgergemeinde für die Interessen der Burger.

Die Burgergemeinde Zermatt erhält und vermehrt das Burgervermögen und strebt unter Beachtung der finanziellen Möglichkeiten für die Burger einen angemessenen Burgernutzen an.

Die Burgergemeinde verwaltet das Burgervermögen mit der erforderlichen Sorgfalt und insbesondere in Bezug auf das Finanzvermögen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Der Burgernutzen kann als Natural- oder Barnutzen ausgerichtet werden.
Die Burgergemeinde Zermatt ist ein offener, kompetenter und fairer Kooperationspartner.

Die Burgergemeinde verfügt als gleichberechtigter, fairer und verlässlicher Partner über enge und breite Kooperationen mit anderen Institutionen und Leistungsträgern. Dabei strebt sie ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen an.

UNSERE STRATEGIE

Die Strategie der Burgergemeinde Zermatt beinhaltet Aussagen über die strategischen Ziele. Daraus leitet sich die strategische Stossrichtung der Burgergemeinde Zermatt in den nächsten fünf Jahren in Bezug auf die einzelnen Tätigkeitsbereiche und Geschäftsfelder ab.

Verwaltungsvermögen: Alpen, Weiden, Wälder:
Aufgrund ihrer historischen, kulturellen und ökologischen Bedeutung ist es das Ziel der Burgergemeinde Zermatt, die burgereigenen Alpen und Senntümer zu erhalten, zu pflegen und deren Betrieb zu fördern.
Als Eigentümerin allen kultivierbaren Bodens, welcher nicht im Privateigentum steht, ist es das Ziel der Burgergemeinde Zermatt, dass unsere Weidelandschaften mit Sorgfalt und Respekt behandelt werden. Auf dieser Grundlage ermöglicht die Burgergemeinde Zermatt den Burgern und Dritten die Nutzung der Weiden. Bei der Vergabe von Nutzungsrechten sichert und wahrt die Burgergemeinde Zermatt ihre privatwirtschaftlichen Geschäftsinteressen und nutzt allfällige Wachstumschancen.
Es ist das Ziel der Burgergemeinde Zermatt die burgereigenen Wälder zu erhalten, zu schützen und in einem finanziell tragbaren Rahmen zu pflegen.

Finanzvermögen:
Die Burgergemeinde Zermatt strebt in ihrem Kerngeschäft eine genügende Investitionstätigkeit mit regelmässigen Erneuerungsinvestitionen an. Investitionen sind konsequent darauf auszurichten, zusätzlichen Nutzen für die Gäste bzw. Mehrertrag für die Betriebe zu schaffen. Die zeitliche Planung der Investitionen muss sich nach den Erfordernissen und den finanziellen Möglichkeiten der Betriebe richten.
Wachstum strebt die Burgergemeinde Zermatt vorwiegend in den bestehenden Geschäftsfeldern an. Dabei steht ein vermehrtes Engagement im Dorf im Vordergrund. Die Übernahme des Managements von Betrieben im Dorf oder ausserhalb von Zermatt ist denkbar.

Um mehr Transparenz zu schaffen und ein möglichst hohes Mass an Entpolitisierung und Professionalität zu erreichen, hat die Burgergemeinde Zermatt die operative Führung der Hotels- & Gaststätten der Matterhorn Group AG übertragen. Der Verwaltungsrat setzt sich aus Vertretern des Burgerrates und aus externen Fachleuten zusammen, wobei er durch ein Mitglied des Burgerrates präsidiert wird.Die Matterhorn Group AG ist eine 100% Tochtergesellschaft der Burgergemeinde Zermatt.

Beteiligungen:
Ziel der Burgergemeinde Zermatt ist es, sich an Unternehmen und Gesellschaften zu beteiligen, welche die Burgergemeinde Zermatt bei ihrer privatwirtschaftlichen Tätigkeit unterstützen. Dabei strebt die Burgergemeinde Zermatt die Ausschöpfung von Synergiepotenzialen an sowie die Optimierung der Ertragskraft und Ressourcenbewirtschaftung.

Als grösste Aktionärin versteht die Burgergemeinde Zermatt ihre Beteiligung an der Zermatt Bergbahnen AG als strategische Beteiligung mit institutionellem Hintergrund. Die Burgergemeinde Zermatt strebt deshalb eine angemessene Eigenkapitalverzinsung an, welche dem betrieblich erarbeiteten Mittelzufluss der Zermatt Bergbahnen AG Rechnung trägt. Vom strategischen Standpunkt aus, soll die heutige Beteiligung an der Zermatt Bergbahnen AG gehalten werden. Weitere Investitionen in Bergbahnbeteiligungen sind nur insoweit anzustreben, um damit die bestehenden Beteiligungsverhältnisse wahren zu können.